Knie-TEP Implantation
Das Knie ist ein sehr komplexes Gelenk. Während die Unzufriedenheit der Patienten in Deutschland nach Hüft-TEP Implantation statistisch nur bei 4% liegt, ist sie nach Knie-TEP Versorgung bei Sage und Schreibe 19%. In Kanada und Australien finden wir sogar 26% unzufriedene Patienten.
In Japan und diversen muslimischen Ländern treffen wir den geringsten Anteil unzufriedener Patienten, er ist mit 16% aber immer noch sehr hoch. Diese weltweiten Ergebnisse zeigen, dass der Kniegelenkersatz immer noch ein hochkomplexes Thema ist.
Wie können wir diese hohe Unzufriedenheit der Patienten verbessern?
Hierfür gibt es einen grundlegenden Ansatz der nachweislich zu einer Erhöhung der Patientenzufriedenheit führt.
Der patientenindividuelle Einbau einer Knie-TEP
Während das herkömmliche, klassische Mechanische Alignment (MA) darauf ausgelegt ist, jedem Bein eine möglichst gerade Beinachse zu bescheren,
beschäftigt sich das Kinematische Alignment (KA) mit der Wiederherstellung der ursprünglichen, anatomischen Gelenklinie unter Berücksichtigung
der Ausgewogenheit der inneren und äußeren Bandspannung sowie des Beuge - und Streckspaltes bei Bewegung des Kniegelenkes.
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Nachgewiesen ist, dass bei 80% der Männer naturgemäß eine 3° Varusstellung (O-Beinstellung) im Bereich des Tibiaplateaus (Schienenbeinkopfes) vorliegt. Diese wird als physiologisch (normal) angesehen.
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Bei dem klassischen Mechanischem Alignment wird diese nun normale 3° O-Beinstellung auf 0° korrigiert, um am Ende eine gerade Beinachse zu erhalten. Die wenn auch nur augenscheinlich geringe Änderung der Beinachse von lediglich 3° führt nun aber zu einer Inkongruenz der Innen- und Außenbandspannung.
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Diese kann nur durch ein aufwendiges Weichteil-Release des Innenbandes ausgeglichen werden. Dies führt postoperativ wiederum nicht selten zu anhaltenden Beschwerden und einer verlängerten Rekonvaleszenz. Aufgrund des erforderlichen Weichteileingriffes dauert häufig auch die Kapselschwellung deutlich länger an. Nicht selten benötigen die Patienten hierbei bis zu einem Jahr um eine vollständige Streckung und Beugung zu erreichen.
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Das Mechanische Alignment ist eine altbewährte, prinzipiell gute Technik. Laut Studien liegt die Patientenzufriedenheit in Deutschland hier bei 81%.
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Das Kniegelenk ist in seiner Bewegung ein hochkomplexes Dreh-Scharniergelenk. Die Bedeutung der patientenindividuellen Kinematik, sprich das dynamische Verhalten des Gelenkes bei Beugung und Streckung, wird häufig vernachlässigt.
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Das Kinematische Alignment (KA) setzt auf die individuelle Anpassung der Knieprothese an Ihre persönlich vorliegenden anatomischen Verhältnisse unter Berücksichtigung der ausgeglichenen Bandspannung sowie des Streck- und Beugespaltes während der dynamischen Bewegung des Kniegelenkes. Nur so ist der patientenindividuelle Einbau einer Kniegelenksendoprothese möglich.
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Sowohl unsere eigenen Erfahrungen als auch Studien haben gezeigt, dass Patienten mit kinematisch versorgten Kniegelenken deutlich schneller fit sind, schneller und besser in Streckung und Beugung gelangen, deutlich weniger Kapselschwellung haben und schneller ohne Gehstützen zurechtkommen. Das neue Kniegelenk wird schneller als Teil Ihres Körpers (my knee) akzeptiert.
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Die PSI-Technik wird häufig falsch verstanden und beworben.
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Hierbei handelt es sich nicht um eine individuell extra nur für Sie angefertigte Knieprothese. Bei dem PSI-Knie wird eine CT oder MRT des Kniegelenkes angefertigt. Aus diesen statischen Daten werden dann für Sie Säge-Schnittblöcke erstellt. Diese erleichtern die Ausrichtung und Anpassung der für Sie benötigten Standard-Knie-Prothesenkomponenten.
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Der Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass es sich bei den gewonnenen CT- oder MRT-Daten zur Herstellung der Patienten-Spezifischen Instrumente (Schnittblöcke) um statische Aufnahmen handelt. Das Knie ist aber alles andere als statisch. Es ist ein hochkomplexes Dreh-Scharniergelenk.
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Bei der PSI-Methode wird die Knie-TEP klassisch nach Mechanischem Alignment implantiert. Auch bei dieser Technik wird eine Standard-Knie-TEP eingesetzt.
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Der Vorteil liegt bei gut geplanten und passenden Schnittblöcken in einer Verkürzung der OP-Zeit von ca. 10-15 Minuten.
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Bei der Individualprothese wird für Sie anhand einer CT -Aufnahme in einem 3D-Druckverfahren eine individuelle Prothese hergestellt.
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Das klingt zunächst einmal toll. Diese Komponenten werden Ihnen dann aber in jedem Fall eingesetzt, ob diese nun exakt passen oder nicht.
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Da das Knie alles andere als statisch ist, ist es sinnvoller, sich eine Kniegelenkskomponente einsetzen zu lassen, die den individuellen anatomischen Gegebenheiten angepasst ist und den individuellen Bewegungsmustern folgt, wie beim Kinematischen Alignment.
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Die Implantation von individuell hergestellten Kniegelenksendoprothesen war eine Zeit lang ein absoluter Trend. Studien haben jedoch beweisen, dass sich die Langzeitergebnisse nicht von denen der konventionellen Standard-Knie-Endoptrothesen unterscheidet. Die Deutschen Krankenkassen haben aus diesem Grund bereits schon 2019 die weitere generelle Kostenübernahme für die deutlich teureren, speziell für den Patienten angefertigten Individualprothesen abgelehnt. Diese bleibt entsprechend nur noch den absoluten Ausnahmefällen vorbehalten und ist der breiten Masse heutzutage nicht mehr zugänglich.
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Eine wirklich individuelle Anpassung einer Knie-TEP auf Ihre persönlichen anatomischen Gegebenheiten ist letztendlich nur durch die Nutzung der Technik des Kinematischen Alignments (KA) möglich.
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